Bergstimmen-Echo

Ein Reiter durch das Bergtal zieht,
In munterm Trab dahin:
"Ach! zieh ich jetzt wohl ins finstre Grab,
Oder zieh ich zum Liebchen hin?"
Drauf schallts im Berge drin:
"Zum Liebchen hin!"

Und weiter reitet der Reitersmann,
Und ruft zum Berg im Scherz:
"So ziehe ich denn zum Liebchen hin -
Sie kennt mein treues Herz!"
Vom Berg klangs himmelwärts:
"Mein treues Herz!

Der Reitersmann schwingt seinen Hut,
und gallopiert ein Stück:
"Mein Liebchen ist so treu und gut -
Ich reit ins ew'ge Glück."
Die Stimme ruft zurück:
"Ins ew'ge Glück!"


Dieses ist eine Antwort auf das Gedicht
Die Bergstimme von Heinrich Heine

Ein Reiter durch das Bergtal zieht,
Im traurig stillen Trab:
"Ach! zieh ich jetzt wohl in Liebchens Arm,
Oder zieh ich ins dunkle Grab?"
Die Bergstimm' Antwort gab:
"Ins dunkle Grab!"

Und weiter reitet der Reitersmann,
Und seufzet schwer dazu:
"So ziehe ich denn ins Grab so früh -
Wohlan im Grab ist Ruh!"
Die Stimme sprach dazu:
"Im Grab ist Ruh'!"

Dem Reitersmann eine Träne rollt
Von der Wange kummervoll:
"Und ist nur im Grabe die Ruhe für mich -
So ist mir im Grabe wohl."
Die Stimm' erwidert hohl:
"Im Grabe wohl!"

© Ralf Schauerhammer