Das Morgen

Das Mädchen steht am Bach wie eine Rose,
die ihren Duft der sanften Mailuft spendet
und ihn dem reifen Herbst entgegensendet,
erwartungsvolle Frucht in ihrem Schoße.

Der Jüngling streift durch Wald und Felsenspalten,
mit Riesen will er sich im Kampf vergleichen
entschlossen, Schicksalsschlägen nicht zu weichen,
nach seinem Willen alles zu gestalten.

Verschieden scheinen sie für alle Zeiten,
durch Wesensarten, die sich widerstreiten
sind sie einander Bild und Gegenbild.

Und beiden, wie uns allen, bleibt verborgen
was keimend treibt; ganz heimlich wird das Morgen,
das Sorgen bringt und Hoffnungen erfüllt.

© Ralf Schauerhammer